Typisch Eckernförde - Wo es spukt ...
Leseprobe

"Der hat bestimmt noch eine Leiche im Keller." So sagt man leichthin über jemanden, in dessen Vergangenheit oder Privatsphäre man einen dunklen Punkt vermutet, den er vor allzu neugieriger Anteilnahme zu verbergen sucht. Und es liegt auf der Hand, dass diese Redensart durch eine bestimmte Art von Kriminalgeschichten geprägt ist, in denen bleiche Gebeine in unterirdischen Gelassen unversehens im Scheine einer flackernden Kerzenflamme aus bröcklichtem Mauerwerk hervorschimmern.

Obwohl man auch heutzutage in der Presse hin und wieder von Missetätern erfährt, die von diesem Einfall Gebrauch machen, werden derlei Romane vielleicht noch mit einer gewissen nostalgischen Rührung gelesen, jedoch von keinem modernen Kriminalschriftsteller mehr geschrieben. Allenfalls mag solch eine Szene noch einem Beleuchter den kalten Schweiß auf die Stirn treiben, wenn er im Drehbuch liest, was er da Gruseliges im Dunkeln für den Kameramann ablichtbar machen soll.

Was aber wäre, wenn Sie in Ihrem eigenen Keller wirklich eine Leiche fänden? Eine Leiche, von deren langjähriger Anwesenheit Sie ehrlich keine Ahnung hatten? Würde Ihre ganze Abgeklärtheit nicht in sich zusammenfallen wie das oben genannte bröcklichte Mauerwerk?

Das gibt's nicht!, wollen Sie einwenden. Wer hat denn schon eine Leiche im Keller und weiß nichts davon! Doch, das gibt's - jedenfalls in Eckernförde.

Als das Haus St.-Nicolai-Straße Nummer 4 vor einigen Jahren neue Besitzer fand, ahnten diese nicht, welche Überraschung dort im Keller auf sie wartete.

Das Haus, so hatten sie erfahren, stammte aus den dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts. Ursprünglich sei es als Goldschmiede genutzt worden, seit Mitte des 20. Jahrhunderts diente es als Wohnhaus. Die Fassade des altehrwürdigen Gebäudes stand längst unter Denkmalschutz. Die Grundsubstanz des Hauses: Mauerwerk, Deckenkonstruktion und Dachstuhl waren solide. Jedoch der innere Zustand verlangte nach umfassender Renovierung.

In mühevoller Eigenarbeit machte man sich daran, Berge von Bauschutt aus dem Haus zu tragen. Doch Besitzerstolz und Vorfreude auf das irgendwann einmal fertige neugestaltete Domizil halfen, die Mühe frohgemut auf sich zu nehmen.

Die Überraschung folgte, als man sich über den Keller hermachte. Man stieß auf Gebeine. Menschliche Gebeine. Drei Skelette wurden freigelegt, zwei davon offensichtlich von Kindern.

Die Verblüffung wäre bestimmt auch bei Ihnen groß in so einem Fall. Und gleich würde die Fantasie einsetzen und die gewagtesten Theorien entstehen lassen. Welche geheimen Tragödien mochten sich dort in dem Goldschmiedehaus ereignet und unter dem Kellerboden ihr grausiges Ende gefunden haben? Hat vielleicht eine unentdeckte Bluttat das Haus mit einem Fluch beladen? Kann man sich überhaupt vorstellen, ein solches Haus weiterhin zu bewohnen, ohne sich Nacht für Nacht beunruhigenden Traumgesichten ausgeliefert zu sehen?

Die Erklärung war dann eine ganz harmlose...


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